Zusammen kreativ: Miturheber im Urheberrecht

Vor­bei die Zei­ten, an dem ein Schrift­stel­ler ein­sam und ver­las­sen, mit viel Welt­schmerz und einem fau­len Apfel in der Schreib­tisch­schub­la­de Meis­ter­wer­ke schaff­te.

Heut­zu­ta­ge ist die gemein­schaft­li­che krea­ti­ve Arbeit an einem Buch, einem Logo-Ent­wurf, einem Film­ex­po­sé einem Seri­ent­re­at­ment oder sonst einem Werk, gang und gäbe. Es wird gemein­sam in ver­schie­de­nen „depar­te­ments“ „gebrain­stormt“, „mee­tings“ wer­den abge­hal­ten und gan­ze Arbeits­ge­mein­schaf­ten gegrün­det. Statt eines Urhe­bers gibt es meh­re­re Urhe­ber, soge­nann­te Mit­ur­he­ber, eines Wer­kes. Die­ser Blog­bei­trag behan­delt die Fra­gen, die sich durch eine Mit­ur­he­ber­schaft erge­ben könn­ten.

Wie entsteht eine Miturheberschaft?

Eine Mit­ur­he­ber­schaft ent­steht, wenn meh­re­re Per­so­nen Urhe­ber eines Wer­kes sind. Wie bereits im Blog­bei­trag Kra­weel! - Oder die Ent­ste­hung von urhe­ber­recht­li­chem Schutz“ erwähnt, ent­steht das Urhe­ber­recht schon wäh­rend der Erschaf­fung eines Wer­kes, in dem die schöp­fe­ri­sche Per­sön­lich­keit des Urhe­bers zum Aus­druck kommt. Das Glei­che gilt für die Mit­ur­he­ber­schaft. Auch hier muss jeder der Betei­lig­ten einen eige­nen indi­vi­du­el­len schöp­fe­ri­schen Bei­trag leis­ten. Dabei kön­nen auch kleins­te schöp­fe­ri­sche Bei­trä­ge eine Mit­ur­he­ber­schaft begrün­den. Wird ein Werk ledig­lich in Auf­trag gege­ben, über­ar­bei­tet, ver­voll­stän­digt oder wur­de bei sei­ner Ent­ste­hung bera­tend zur Sei­te gestan­den, ist kei­ne Mit­ur­he­ber­schaft begrün­det.

Was sind die Voraussetzungen für eine Miturheberschaft?

Gemein­schaft­li­che Ent­ste­hung eines ein­heit­li­chen Wer­kes

Das Beson­de­re an einer Mit­ur­he­ber­schaft ist, dass die Schöp­fung eines Wer­kes gemein­schaft­lich ent­stan­den sein muss: Das Werk muss gemein­sam geplant wor­den sein und die Per­so­nen müs­sen sich unter­ein­an­der ver­stän­digt haben, das Werk auch gemein­sam zu „erschaf­fen“. Dabei ist es nicht not­wen­dig, dass die Mit­ur­he­ber gleich­zei­tig tätig sind. Sie kön­nen auch nach­ein­an­der an dem Werk arbei­ten. Wich­tig ist das gemein­sa­me Kon­zept. Wur­de dies nicht unter den Betei­lig­ten abge­spro­chen, könn­te es sich um eine Bear­bei­tung vor­lie­gen.

Ein­heit­li­che Ver­wert­bar­keit

Ein Mit­ur­he­ber­recht an einem Werk kann nur ent­ste­hen, wenn die jewei­li­gen Bei­trä­ge der Urhe­ber nicht geson­dert ver­wert­bar sind. Den Text eines Lie­des bei­spiels­wei­se kann der Autor auch ohne sei­ne Melo­die ver­öf­fent­li­chen. Eben­falls ist auch die Melo­die eines Lie­des durch den Kom­po­nis­ten geson­dert ver­wert­bar. In die­sen Fäl­len liegt nur eine Werk­ver­bin­dung gem. § 9 UrhG vor. Etwas ande­res ist es bei der Pro­duk­ti­on eines Fil­mes. Sowohl Kame­ra­mann, Regis­seur als auch Dreh­buch­au­tor sind Urhe­ber ihrer Bei­trä­ge, die sich nicht geson­dert ver­wer­ten las­sen; die Arbeit des Kame­ra­manns bei­spiels­wei­se kann nicht wie ein Lied­text „aus­ge­son­dert“ ver­wer­tet wer­den, denn alle Bei­trä­ge der Urhe­ber sind mit­ein­an­der zu einem Film ver­bun­den.

Beson­ders bei dem Erstel­len einer Open Source Soft­ware muss dif­fe­ren­ziert wer­den. Dabei arbei­ten meh­re­re Pro­gram­mie­rer teil­wei­se gleich­zei­tig an Tei­len der Soft­ware. Damit sie eine Mit­ur­he­ber­schaft an der soft­ware begrün­den kön­nen, muss dar­auf geach­tet wer­den, dass die ein­zel­nen Pro­gram­me, die die Ent­wick­ler schaf­fen, nicht selbst­stän­dig lauf­fä­hig sind, son­dern dass es sich immer um Tei­le eines ein­heit­li­chen Pro­gramms han­delt. Sonst könn­te auch in die­sen Fäl­len nur eine Werk­ver­bin­dung vor­lie­gen.

Wer kann Miturheber sein?

Jede Per­son kann Mit­ur­he­ber sein. Auf die Geschäfts­fä­hig­keit kommt es dabei nicht an. Malen bei­spiels­wei­se zwei Kin­der im Kin­der­gar­ten zusam­men ein Bild, hat jedes Kind schon wäh­rend der Ent­ste­hung die Urhe­ber­per­sön­lich­keits­rech­te an die­sem Werk begrün­det.

Welche Rechte habe ich als Miturheber?

Mit der Schöp­fung eines gemein­sa­men Wer­kes ent­steht zwi­schen den Mit­ur­he­bern eine Gesamt­hands­ge­mein­schaft. Das heißt, die Urhe­ber­per­sön­lich­keits­rech­te an dem Werk ste­hen nicht nur einem Urhe­ber, son­dern der Gemein­schaft der Mit­ur­he­ber zu. So kann auch kein ein­zel­ner Urhe­ber das Werk ver­öf­fent­li­chen, ver­wer­ten oder ver­än­dern ohne Ein­wil­li­gung aller Mit­ur­he­ber.

Der Mit­ur­he­ber darf Ansprü­che, die auf der Ver­let­zung des gemein­sa­men Urhe­ber­rechts grün­den, gegen­über Drit­ten gel­tend machen. Die Leis­tun­gen, wie zum Bei­spiel der Scha­dens­er­satz, dür­fen dann jedoch nur für alle Urhe­ber ver­langt wer­den.

Inner­halb der Bezie­hung zwi­schen den Mit­ur­he­bern aller­dings hat jeder Werk­be­tei­lig­te sei­ne eige­nen Per­sön­lich­keits­rech­te, die er gegen­über den Mit­ur­he­bern gel­tend machen kann. Eben­falls hat jeder Mit­ur­he­ber die Frei­heit, auf sei­ne Ver­wer­tungs­rech­te zu ver­zich­ten.

Wie kann ich die (Mit)urheberrechte an einem Werk geltend machen, an dem ich beteiligt war?

Zunächst, wird gem. § 10 Abs. 1 UrhG ver­mu­tet, dass nur der­je­ni­ge, der als Urhe­ber auf dem erschie­nen Werk bezeich­net ist, auch tat­säch­lich allei­ni­ger Urhe­ber ist. Möch­te eine Per­son, die nicht als Urhe­ber genannt ist, ihre Mit­ur­he­ber­schaft gel­tend machen, muss sie die­se Ver­mu­tung wider­le­gen. Sie muss bewei­sen, dass sie einen eige­nen schöp­fe­ri­schen Bei­trag zu dem Werk geleis­tet hat. Auch Mit­ur­he­ber unter­ein­an­der sind gegen­über den ande­ren Mit­ur­he­bern in der Beweis- und Dar­le­gungs­last: Behaup­tet einer der Mit­ur­he­ber nach­träg­lich, er sei allei­ni­ger Urhe­ber des Wer­kes, so muss er dies voll­stän­dig bewei­sen.

Wie kann ich meine Urheberschaft beweisen?

Die Urhe­ber­schaft einer Foto­gra­fie kann bei­spiels­wei­se durch Vor­la­ge einer Bil­der­se­rie, aus der die Foto­gra­fie ent­nom­men wur­de bewie­sen wer­den. Meta­da­ten oder „ Hot­pi­xel“ einer Foto­da­tei sind auf­grund ihrer Mani­pu­lier­bar­keit kein Beweis. (LG Mün­chen I, Urteil vom 21. 5. 2008, Az: 21 O 10753/07 Digi­tal­fo­tos)

Die allei­ni­ge Urhe­ber­schaft eines „Ghost­wri­ters“ konn­te in einem Fall durch Vor­la­ge einer Email bewie­sen wer­den. An die­ser hat­te der „Ghost­wri­ter“ den in Rede ste­hen­den Auf­satz als Datei ange­hängt und dem Beklag­ten zuge­sandt. (OLG Frank­furt am Main, Az: 11 U 51/08)

Wann endet die Miturheberschaft?

Da auch die Mit­ur­he­ber­schaft ver­erb­bar ist, endet sie nicht mit dem Tod des Urhe­bers, son­dern gem. § 65 Abs. 1 UrhG, 70 Jah­re nach dem Tod des längst leben­den Mit­ur­he­bers.

Fazit

Die Zusam­men­ar­beit meh­re­rer Krea­ti­ve an einem Pro­jekt kann sehr ertrag- und erfolg­reich sein. Damit im Nach­hin­ein nicht die lei­di­ge Fra­ge ent­steht, wer zu wel­chen Tei­len und in wel­cher Form an dem Werk betei­ligt war, wird drin­gend ange­ra­ten, vor der Pla­nung eines Wer­kes Ver­trä­ge unter den Mit­wir­ken­den abzu­schlies­sen. Sol­che Mit­ur­he­ber­ver­trä­ge kön­nen Antei­le oder Ver­zicht von Ver­wer­tungs­rech­ten regeln, je nach­dem wie groß der Bei­trag der jewei­li­gen Betei­lig­ten ist.

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