Filmzitate richtig nutzen

Wer urheberrechtlich geschütztes Filmmaterial (Bild, Ton und Text) ganz oder ausschnittsweise für sein eigenes Schaffen nutzen möchte, benötigt dafür die Erlaubnis des Schöpfers. Das ist zunächst der Grundsatz aus dem Urheberrechtsgesetz (UrhG). Es gibt aber auch Sonderregeln im Gesetz, die von dieser Erlaubnispflicht befreien.

 

Folgende Ausnahmen ermöglichen die Verwendung von Filmszenen im Rahmen trotz des im Urheberrecht genannten Grundsatzes, wonach stest die Erlaubnis der Rechteinhaber erforderlich ist. Über eine Checkliste am Ende des Beitrags kann der richtige Gebraucht von Filmzitaten überprüft werden.

 

Gemeinfreie Werke

Bei Filmen, deren Schöpfer bereits vor (mehr als) siebzig Jahren verstorben sind, ist der Urheberrechtsschutz schlicht und einfach  abgelaufen, sodass diese sogenannten „gemeinfreien Werke“ bedenkenlos ohne Zustimmung zitiert werden können. Dabei ist aber zu beachten, dass nach § 65 Abs. 2 UrhG der Tod des Längstlebenden der folgenden Personen ausschlaggebend ist: Hauptregisseur, Urheber des Drehbuchs, Urheber der Dialoge, Komponist der für das betreffende Filmwerk komponierten Musik.

 

§ 51 UrhG

Bei allen anderen Filmen ist das Zitieren fremder Werke ohne Erlaubnis (und ohne Vergütung!) des Urhebers nur unter gewissen Voraussetzungen möglich:

 

  • Das eigene Material ist ein selbstständiges neues Filmwerk mit eigenen Inhalten und Aussagen, auch ohne das Zitat.
  • Der fremde Film muss bereits veröffentlicht worden sein. Dies bedeutet jedoch nicht, dass er auch im Handel erhältlich gewesen sein musste. Gemäß § 6 Abs. 1 UrhG gilt ein Werk als veröffentlicht, wenn es mit Zustimmung des Berechtigten der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden ist. Dabei wird bei einem Filmwerk angenommen, dass es „erschienen“ ist, wenn der Öffentlichkeit eine genügende Anzahl von Vervielfältigungsstücken angeboten wird, was aber bereits bei 8 Filmkopien der Fall sein kann (BGH GRUR Int. 1973, 49).
  • Das Filmzitat muss einen besonderen Zweck verfolgen – nämlich die Erläuterung der eigenen Filminhalte – und darf nicht nur um seiner selbst Willen zu bloßen Unterhaltungszwecken benutzt werden. Obwohl im Einzelfall auch die Verwendung eines Zitats als künstlerisches Mittel zulässig sein kann, soll es prinzipiell dazu dienen,  die eigenen Ansichten des Filmschaffenden zu veranschaulichen und zu verdeutlichen und damit Ausdruck geistiger Auseinandersetzung mit dem zitierten Werk sein. Die Auseinandersetzung kann dabei sowohl in Form einer positiven oder negativen Kritik, als auch als neutrale Darstellung erfolgen.
  • Die Wiedergabe eines gesamten Filmes in der eigenen Arbeit, das sogenannte „Großzitat“ (§ 51 Ziff. 1 UrhG), ist nur aus wissenschaftlichen Gründen, also zur Erläuterung und Veranschaulichung wissenschaftlicher Erkenntnisse, erlaubt.  Unter wissenschaftliche Erkenntnisse fallen aber nicht nur solche der Wissenschaft  im engeren Sinne, zur Förderung der kulturellen Entwicklung im Allgemeinen sind auch populärwissenschaftliche Werke (z.B. Dokumentarfilme, Fernsehsendungen) hiervon erfasst.
  • Einzelne Filmausschnitte dürfen hingegen als „Kleinzitat“ (§ 51 Ziff. 2 UrhG analog) auch zu anderen, nicht-wissenschaftlichen Zwecken verwendet werden, etwa in Spielfilmen oder Unterhaltungssendungen. Es muss aber immer eine innere Verbindung (d.h. ein besonderer Zweck, s.o.) zwischen dem fremden und dem eigenen Filmmaterial bestehen.

 

Zitierweise

Die Länge des Zitats bestimmt sich anhand seines Aussagezwecks und variiert dementsprechend von Fall zu Fall. Somit gibt es keine festen Vorgaben im Gesetz, sondern entscheidend ist nur die Grenze der Notwendigkeit (Grundsatz: „Nicht länger als nötig“).

 

Inhaltlich darf das Zitat nicht verändert werden, auch nicht minimal oder durch eine Kommentierung (§ 62 UrhG). Darüber hinaus besteht die Pflicht zur Quellenangabe nach § 63 UrhG, um eine Prüfung des Zitats zu ermöglichen. Bei einem Filmwerk bedeutet dies vor allem die Angabe von Filmtitel, Name des Regisseurs, Produktionsland, Produktionsjahr sowie zitierte Filmminuten mit Sekunden.

 

Checkliste zum richtigen Gebrauch von Filmzitaten

  1.  Ist der Film urheberrechtlich geschützt? (Handelt es sich um altes Material (vgl. § 65 Abs. 2 UrhG), dann ist die Verwendung außerhalb des Zitatrechts möglich.)
  2. Wurde er bereits veröffentlicht? (Falls nicht, kann nicht zitiert werden.)
  3. Dient das Zitat zur Erläuterung und zum Beleg eigener Ansichten und Erkenntnisse oder als künstlerisches Mittel  des eigenen Films? Besteht eine innere Verbindung zwischen dem Zitat und dem eigenen Film?
  4. Ist das Zitat unverändert geblieben?
  5. Wurde die Quelle des Zitats vollständig angegeben?

 

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