Fotos von „Lost Places“ aus rechtlicher Sicht

Foto­gra­fi­en ein­sa­mer ver­fal­len­der Gebäu­de – im Fach­jar­gon „lost pla­ces“ (dt. ver­lo­re­ne Orte) genannt – sind für Pro­fis und ambi­tio­nier­te Hob­by­fo­to­gra­fen glei­cher­ma­ßen ein reiz­vol­les Objekt. Die viel­sei­ti­gen, beein­dru­cken­den Moti­ve, an denen es auch in Deutsch­land nicht man­gelt, wer­den meis­tens im Stil­len erkun­det, abfo­to­gra­fiert und anschlie­ßend wie­der sich selbst über­las­sen.

 

Wer sich dabei an den sze­ne­ty­pi­schen Grund­satz „Take not­hing but pic­tures, lea­ve not­hing but foot­prints“ hält, kann auch grund­sätz­lich davon aus­ge­hen, dass sein Han­deln schlimms­ten­falls mit miss­lun­ge­nen Bil­dern bestraft wird. Denn auch wenn die Abge­schie­den­heit der Orte und ihr (unty­pisch deut­scher!) ver­lot­ter­ter Zustand dar­auf schlie­ßen las­sen, dass jeg­li­ches Inter­es­se an ihnen auf­ge­ge­ben wur­de, ist die­ser Schluss juris­tisch gese­hen falsch.

 

Hausfriedensbruch

Wer gegen den Wil­len des Eigen­tü­mers oder Besit­zers ein Grund­stück oder ein Gebäu­de betritt, das erkenn­bar abge­grenzt und vor frem­dem Zugang geschüzt ist, begeht Haus­frie­dens­bruch, egal in wel­chem Zustand sich das Gebäu­de oder Grund­stück befin­det. Dies gilt übri­gens bei jeder Art von Abgren­zung (Zaun, Mau­er, Pflan­zen­wuchs, Gra­ben), solan­ge sie nicht rein sym­bo­lisch ist (Pflas­ter­stei­ne), und auch, wenn sie selbst ver­fal­len ist.

 

Ein Loch im Zaun, feh­len­de Türen oder kaput­te Fens­ter, die qua­si zum Durch­klet­tern auf­for­dern, ändern nichts dar­an, dass man sich mög­li­cher­wei­se straf­bar macht. Die Beto­nung liegt dabei aber auf dem Wört­chen „mög­li­cher­wei­se“ - Haus­frie­dens­bruch wird näm­lich nur auf Antrag ver­folgt. Ohne eine Anzei­ge des Eigentümers/Besitzers läuft da nichts, auch wenn viel­leicht kur­zer­hand die Poli­zei Teil der Foto­ses­si­on war. Und selbst bei einem mög­li­chen Straf­ver­fah­ren hat ein ansons­ten unbe­schol­te­ner Bür­ger nichts Gra­vie­ren­des zu befürch­ten, wenn das Ver­fah­ren nicht sogar mit oder ohne Auf­la­ge ein­ge­stellt wird.

 

Hin­weis­schil­der wie „Betre­ten ver­bo­ten“ bzw. ihr Feh­len ändern übri­gens nichts an dem Haus­frie­dens­bruch. Die für das Grundstück/Gebäude Ver­ant­wort­li­chen ver­su­chen auf die­se Wei­se nur, sich mög­li­chen Scha­dens­er­satz­an­sprü­chen Drit­ter wegen Verletzungen/Schäden, die sie sich dort zuge­zo­gen haben, zu ent­zie­hen.

 

Diebstahl und Sachbeschädigung

Wer sich nicht an oben genann­ten Grund­satz hält und von der Motiv­stät­te etwas mit­ge­hen lässt oder mut­wil­lig zer­stört, macht sich wegen Dieb­stahls bzw. Sach­be­schä­di­gung oder sogar der Zer­stö­rung von Bau­wer­ken straf­bar.

 

Wie beim Haus­frie­dens­bruch ist es unbe­acht­lich, dass kei­ner auf die Sachen auf­passt. „Her­ren­los“ wer­den sie dadurch nicht und wer sie unge­fragt mit­nimmt oder kaputt macht, ver­stößt gegen das Gesetz. Dieb­stahl und Sach­be­schä­di­gung kön­nen aller­dings auf Antrag des Eigentümers/ Besit­zers oder­von Poli­zei und Staats­an­walt­schaft ver­folgt wer­den, wenn ein „beson­de­res öffent­li­ches Inter­es­se“ an der Straf­ver­fol­gung ange­nom­men wird; die Zer­stö­rung von Bau­wer­ken wird immer ver­folgt.

 

Fazit

Wer auf­re­gen­de Fotos machen, aber juris­ti­schen Sche­re­rei­en mit Gründ­stücks­ei­gen­tü­mern und -besit­zern einen Rie­gel vor­schie­ben möch­te, holt sich vor den Foto­auf­nah­men deren Ein­ver­ständ­nis dazu ein. Wer auf Num­mer sicher gehen möch­te, tut dies schrift­lich.

 

Teil­wei­se kann sich die Ermitt­lung von Grund­stücks­ei­gen­tü­mern schwie­rig gestal­ten (Ein­sicht beim Grund­buch- bzw. Katas­ter­amt gibt es nur bei berech­tig­tem Eigen­in­ter­es­se, was beim Foto­gra­fie­ren wohl nicht vor­lie­gen dürf­te), was aber nicht bedeu­tet, dass man des­we­gen ein­fach ohne Erlaub­nis foto­gra­fie­ren darf. Bei Bau­stel­len gibt das von außen erkenn­bar ange­brach­te Bau­stel­len­schild Hin­wei­se auf die Ver­ant­wort­li­chen.

 

Und die Fotos? Da der Eigen­tü­mer eines Grund­stücks auch des­sen Erschei­nungs­bild bestim­men kann, wird zu die­ser Rechts­po­si­ti­on auch gehö­ren, dass er gegen die Ver­brei­tung der Fotos vom Grund­stück vor­ge­hen und auch die Löschung der Fotos ver­lan­gen kann. Vor allem dann, wenn eine kom­mer­zi­el­le Ver­wer­tung der Fotos geplant ist, soll­te also in jedem Fall eine Ein­wil­li­gung des Eigen­tü­mers ein­ge­holt wer­den.

 

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