Zuviel Lidschatten: Wann Bildbearbeitung die Einwilligung für eine Fotonutzung entfallen lässt

Die Ver­öf­fent­li­chung von Fotos mit abge­bil­de­ten Per­so­nen ist an kon­kre­te Vor­aus­set­zun­gen gebun­den. Der Grund­ge­dan­ke ist, dass ein Foto nur mit Ein­wil­li­gung der jewei­li­gen Per­son abge­bil­det wer­den kann, wenn kei­ne Son­der­re­ge­lung greift.

 

Regel­mä­ßig kommt es zu Strei­tig­kei­ten, wenn es dar­um geht, wel­chen Umfang die­se Ein­wil­li­gung hat. So muss­te nun ein Gericht über die Fra­ge ent­schei­den, ob eine gewis­se Bear­bei­tung des Bil­des noch von der ursprüng­li­chen Nut­zungs­ein­wil­li­gung gedeckt ist.

Die Rechtslage

Bereits des Öfte­ren haben wir über die Ein­wil­li­gung bei der Nut­zung von Fotos mit abge­bil­de­ten Per­so­nen berich­tet und wann Fotos von Pro­mi­nen­ten, ins­be­son­de­re zu Wer­be­zwe­cken, ohne deren Ein­wil­li­gung ver­wen­det wer­den kön­nen.

 

Erfor­der­lich ist stets eine ent­spre­chen­de Ein­wil­li­gung der Per­son, wie sich aus § 22 Kunst­UrhG ergibt. Danach dür­fen Bild­nis­se nur mit die­ser Ein­wil­li­gung der abge­bil­de­ten Per­son ver­brei­tet oder öffent­lich zur Schau gestellt wer­den. Die Ver­öf­fent­li­chung ohne Ein­wil­li­gung ist nach § 23 Kunst­UrhG nur in fol­gen­den Fall­grup­pen mög­lich:

 

  • bei Per­so­nen der Zeit­ge­schich­te (z.B. Pro­mi­nen­te, Poli­kit­ker, etc.),
  • wenn ein höhe­res Inter­es­se der Kunst an der Ver­öf­fent­li­chung vor­liegt,
  • wenn eine Per­son nur als Bei­werk auf einem Foto erscheint , sowie
  • bei Fotos von Ver­samm­lun­gen und Auf­zü­gen.

In einem ande­ren Bei­trag wur­de auch schon die Fra­ge ange­spro­chen, ob eine bereits erteil­te Ein­wil­li­gung wider­ru­fen wer­den kann. Die klas­si­sche Fall­grup­pe sind hier Ero­tik­auf­nah­men, die man spä­ter viel­leicht bereut.

Der Fall

In dem ein­gangs ange­spro­che­nen Fall ging es um fol­gen­de Situa­ti­on: Die Ehe­frau eines Mode­ra­tors hat­te der Nut­zung eines Fotos von sich um Rah­men einer Bericht­erstat­tung zuge­stimmt. Die Zeit­schrift hat die­ses Foto für die Titel­sei­te ver­wen­det, nicht ohne zuvor das Foto zu bear­bei­ten und retu­schie­ren. So wur­de vor allem dem Gesicht dick glän­zen­der blau­er Lid­schat­ten zuge­fügt. Das ver­än­der­te Foto wur­de ohne wei­te­re Abspra­che abge­druckt. Die Klä­ge­rin fühl­te sich durch die Ver­öf­fent­li­chung des ver­än­der­ten Fotos in ihrem natür­li­chen Erschei­nungs­bild ver­letzt, denn ein Betrach­ter des bear­bei­te­ten Fotos könn­te den­ken, die abge­bil­de­te Per­son habe es nötig, sich beson­ders stark zu schmin­ken.

 

Das Land­ge­richt Ham­burg (Az. 324 O 648/10) hat der Klä­ge­rin zuge­stimmt: Eine bereits vor­lie­gen­de Ein­wil­li­gung zur Ver­öf­fent­li­chung eines Fotos kann durch zu viel Bild­be­ar­bei­tung wie­der ent­fal­len:

 

„Davon, dass eine Ein­wil­li­gung in die Ver­öf­fent­li­chung eines Bild­nis­ses zugleich auch die Ver­öf­fent­li­chung mit farb­li­chen Ver­än­de­run­gen wie im vor­lie­gen­den Fall umfasst, kann nicht aus­ge­gan­gen wer­den.“

Auf­grund feh­len­der Ein­wil­li­gung hat das Land­ge­richt Ham­burg hier also eine Bil­der­nut­zung ohne erfor­der­li­che Ein­wil­li­gung gese­hen, mit der Fol­ge, dass der Klä­ge­rin ein Unter­las­sungs­an­spruch gegen die Zeit­schrift zuge­spro­chen wur­de. Denn die von dem Ver­lag vor­ge­nom­me­ne Ver­än­de­rung sei nicht mehr von den übli­chen zu erwar­ten­den Kor­rek­tu­ren gedeckt.

Fazit

Ist abseh­bar, dass die Bear­bei­tung eines Fotos erfor­der­lich oder geplant ist, dann soll­te dies gleich ent­spre­chend bei der Ein­wil­li­gung zur Foto­nut­zung mit ver­ein­bart wer­den.

 

Liegt kei­ne beson­de­re Ver­ein­ba­rung über die Bear­bei­tung des Bil­des vor, dann legt die­ses Urteil nahe, eine zu star­ke Bear­bei­tung nicht ohne nach­träg­li­che Geneh­mi­gung zu ver­wen­den. Denn auch wenn die Bear­bei­tung „gut gemeint“ ist, kann auf­grund der ver­än­der­ten Wir­kung der Per­son die erteil­te Ein­wil­li­gung zur Bil­der­nut­zung nach­träg­lich ent­fal­len.

 

Die Fra­ge bleibt, wann eine Bear­bei­tung zu stark aus­ge­fal­len ist, wann also die Gren­ze über­schrit­ten ist, die die Ein­wil­li­gung wie­der ent­fal­len lässt. Hier kann es mit­un­ter schwer wer­den, eine kla­re Linie zu zie­hen, da das sog. „Pho­to­shop­pen“ ja fast schon zum All­tag bei der Foto­nut­zung gehört.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich habe da mal ne Fra­ge,

    sind Fotos in Face­book oder jene, die man über goog­le Bil­der ent­deckt auch urhe­ber­recht­lich geschützt? Habe gehört, daß
    man da auto­ma­tisch die Rech­te abgibt und die­se für jeden frei nutz­bar sind auch für busi­ness-web­siten und blog, sowie für Bücher, Fly­er & Co. Ist das so? Dan­ke­schön!

  2. Fotos ver­lie­ren ihren Schutz nicht, wenn sie im Inter­net ver­brei­tet wer­den. D.h. auch wenn Fotos in der Goog­le-Bil­der­su­che oder auf Face­book zu sehen sind, darf ich sie nicht ein­fach so ver­wen­den.

    Rich­tig ist aber, dass Face­book sich ein Nut­zungs­recht ein­räu­men lässt. Das erlaubt aber nur Face­book selbst, das Foto zu nut­zen. Ein Drit­ter darf das aber nicht.

    Fazit: Wenn ein Foto genutzt wer­den soll, soll­te stets die Ein­wil­li­gung des Urhebers/Agentur ein­ge­holt wer­den.

    Grü­ße!

  3. Herz­li­chen Dank!

    Die Infor­ma­ti­on war sehr hilf­reich! So heißt es für mich wei­ter­hin Fotos selbst mit Freu­de zu machen. Habe inzwi­schen auch eine Sei­te ent­deckt, die kos­ten­los zur Wei­ter­nut­zung Fotos zu Ver­fü­gung stellt.

    Herz­li­che Grü­ße! ish­ma­ra Rauch

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.